28
Nov
2004

Fünf Sinne?

Wir haben durch die Zurateziehung und Beihilfe unserer fünf Sinne eine
Wahrheit gebildet; aber vielleicht gehört die Einstimmung von acht oder zehn
Sinnen und deren Beihilfe dazu, um solche mit Gewißheit und in ihrem eigenen
wahren Wesen zu erkennen.

Michel de Montaigne, Essays

26
Nov
2004

Allein

Kröte wollte ihren Freund besuchen.
Aber sie fand einen Zettel
an der Haustür
darauf stand:

Liebe Kröte
Ich bin nicht
zu Hause
Ich möchte heute
allein sein
Frosch


"Allein?"
Kröte schüttelte den Kopf.
"Warum will Frosch allein sein?
Ich bin doch seine Freundin."
Kröte schaute durch alle Fenster.
SIe suchte im Garten.
Aber Frosch war nirgendwo zu sehen.
Kröte lief in den Wald.
Kein Frosch.
Sie lief über die Wiese.
Kein Frosch.
SIe lief hinunter zum Fluss.
Und da entdeckte sie ihn.
Er saß ganz allein
auf einer kleinen Insel.
"Armer Frosch." sagte Kröte.
" Er scheint traurig zu sein.
Ich bringe ihm etwas zu essen.
Das wird ihn aufheitern."
Sie rannte heim,
strich Butterbrote,
füllte einen Krug mit Eistee
Und legte alles
in einen Korb.
Dann rannte sie
zurück zum Fluss.
"Frosch!", schrie sie.
"Ich bin's!
Deine liebste Freundin."
Frosch hörte sie nicht.
Er war zu weit weg.
Kröte schwang ihre Jacke
wie eine Fahne.
Aber Frosch
blickte sich nicht um.
Kröte schrie und winkte -
alles vergeblich!
Frosch saß auf der Insel.
Er sah und hörte die Freundin nicht.
Da kam eine Schildkröte vorbeigeschwommen.
"Bring mich doch auf die Insel",
bat Kröte.
"Dort sitzt nämlich Frosch
und will allein sein."
"Wenn er allein sein will, warum lässt du ihn dann nicht?",
fragte die Schildkröte.
"Vielleicht hast du Recht",
sagte Kröte. "Vielleicht
will mich Frosch nicht sehen.
Vielleicht will er
nicht mehr
mein Freund sein."
"Mag sein", sagte Schildkröte.
"Ich bringe dich trotzdem hinüber."
SIe schwammen los
und Kröte schrie:
"Frosch, verzeih,
dass ich so viel
dummes Zeug mache.
Verzeih, dass ich so viel
Unsinn schwätze.
Bitte, Frosch,
sei wieder mein Freund!"
Sie rutschte von der Schildkröte
und platschte ins Wasser.
Da endlich schaute Frosch sich um
und zog sie auf die Insel.
Kröte betrachtete ihren Korb:
Die Butterbrote waren durchwweicht.
Der Eistee war ausgeflossen.
"Ich habe alles verdorben",
jammerte Kröte.
"Ich wollte dir
was zu essen bringen,
damit du wieder froh wirst."
"Aber ich bin froh",
sagte Frosch.
"Sehr sogar.
Als ich heute früh
aufwachte,
hatte ich schon
ein gutes Gefühl.
Ich fühlte mich wohl,
weil die Sonne schien,
weil ich ein Frosch bin
und weil due
meine Freundin bist.
Ich wollte nur allein sein
um darüber nachzudenken,
wie gut ich es habe."
"Wunderbar!", rief Kröte.
"Ich glaube,
wer über so was nachdenken will,
muss wirklich allein sein."
Frosch nickte.
"Aber jetzt", sagte er,
"bin ich froh nicht allein zu sein."
Die beiden Freunde
aßen die durchweichten Brote auf
und verbrachten den Tag
auf der kleinen Insel.
"Wir sind hier ganz allein",
sagte Frosch.
"Aber zusammen", sagte Kröte.

Lobel, Arnold; Das große Buch von Frosch und Kröte; ISBN 3-423-70498-5

Weihnachtsgeschenke

Ein schönes Weihnachtsgeschenk ist eine handbetriebene Kaffeemühle. Das gibt Muskeln und macht den Kaffeegenuss zum besonderen Ereignis.

13
Nov
2004

Ist Horst Köhler ein Cyborg?

Diese Frage stelle ich mir seit einer Weile. Ein farb- und formloses Etwas, das nur noch Sprachrohr ist für Interessen von Unternehmensverbänden. Es soll das Volk repräsentieren, mir ist das peinlich. Aber eigentlich hat mich ja auch niemand gefragt.

Erschreckendes

Gestern gab es einen Beitrag in Monitor über den neuen Trend in der Kindererziehung. Da werden Kinder durch Brechung der eigenen Persönlichkeit zu kleinen und später großen, gehorsamen Geschöpfen gemacht. Ich finde das furchtbar, diese Rückentwicklung zur Geistlosigkeit. Da kann ich nur empfehlen mal dieses Buch von Anna Wahlgren zu lesen, das ist zwar schon etwas älter, aber erst jetzt ins Deutsche übersetzt.
Zu dem Ganzen fällt mir wieder Paul Williams ein:

Denke niemals, du weisst, was für den
anderen richtig ist,
Sonst beginnt er plötzlich den Spiess umzudrehen.

11
Nov
2004

Wählen

Wenn von meinem Platz weißer Rauch aufsteigt, ist kein neuer Papst gewählt, ich habe mir nur eine Zigarette angesteckt. Heute habe ich erfahren, dass Hamburgs Mensen bald von Billig-Caterern beliefert werden um zu sparen. Das finde ich traurig, dass überall von Sparen die Rede ist. Wo bleibt die Großzügigkeit? Mir hat die Parole der Demonstranten gegen die Bildungsmisere in Deutschland gut gefallen, "Geist ist geil". Herr Draeger, was ja der Hamburger Oberbildungssenator ist, hat zu seinem Glück in Zeiten studiert, wo es den Studenten noch besser ging und ihm sozusagen die steuerzahlende, arbeitende Mehrheit das Studium finanziert hat. Jetzt geht es ihm gut, er ist aus dem Gröbsten raus, auch gedanklich...
Da fallen dem dann Dinge ein wie Studiengebühren (500€ pro Semester), absurde Verwaltungsgebühren für Rückmeldungen zusätzlich zu den eh fast 200€ Semesterbeitrag pro Semester. Na ja, von einem 1 Euro-Job kann das ja keiner zurückzahlen. Da wünsche ich mich manchmal in die siebziger Jahre zurück.
Aber wie sagt Paul Williams:
Die Vergangenheit und die Zukunft sind unumgänglich
Die Vergangenheit und die Zukunft existieren nicht.

4
Nov
2004

Bleiben und Gehen

arafatArafat geht, Bush bleibt und der dritte Oktober bleibt wohl kein Feiertag mehr. Gibt es auch etwas Gutes? Ja, bald ist Weihnachten. Eigentlich könnte man die Weihnachtsfeiertage doch auch auf das dritte Wochenende im Dezember legen, so rein aus Spargründen. Heute habe ich in der Zeit-online gelesen, dass im Vorfeld der Wahlen in den USA ganz schön betrogen worden ist. So etwas hatte ich mir zwar schon gedacht, aber ich finde es trotzdem deprimierend, das auch noch bestätigt zu bekommen. Wahrscheinlich wird als nächstes das Gesetz geändert, nach dem ein Präsident nur zwei Amtsperioden lang gewählt werden darf. Dann können wir uns über George Jabbeldu auch noch 2040 freuen. Na ja, der Krieg im Irak braucht halt seine Zeit. Bibeltreue US-amerikanische Christen und islamistische Fundamentalisten sind sich doch so ähnlich, dass ich nicht verstehe, warum die sich nicht mögen. Da fällt mir doch gleich ein Zitat von Karl Valentin ein.

“Fremd ist der Fremde nur in der Fremde”
“Fremde unter Fremden sind, wenn Fremde über eine Brücke fahren und unter der Brücke fährt ein Eisenbahnzug mit Fremden durch, so sind die durchfahrenden Fremden Fremde unter Fremden, was Sie wahrscheinlich so schnell garnicht begreifen werden.”
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